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Ausgabe vom Mi, 19.07.2017
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  Morgen erbeten: Herren in Strapsen 

 Open-Air-Kino im Schlossinnenhof startet mit „Rocky Horror Picture Show“ –  Zuschauer sollen mitspielen

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 „It’s Just A Jump To The Left“: Bei der Rocky Horror Picture Show zum Start des Open-Air-Kinos darf mitgefeiert werden. Lintel-Foto 
  Osnabrück (jel) – Es braucht gar nicht viel: Mit nur ein bisschen „Mind Flip“ können sich die
Zuschauer morgen beim Open- Air-Kino im Schlossinnenhof mitten hinein in den „Time Slip“ katapultieren – und wenn sie dann noch einen Sprung nach links machen, einen Schritt nach rechts, die Hände an die Hüften nehmen, die Knie zusammendrücken und ihr Becken nach vorne bewegen, dann ist nichts mehr so wie es vorher einmal war.
  
Textsichere wissen es natürlich längst: Die hier zitierte Passage stammt aus dem „Time Warp“, dem Tanz aus dem genial-schräg-verrückten und zu Fragen nach sexueller Orientierung und Überwindung von Konventionen stets hochaktuellen Musical „The Rocky Horror Picture Show“ (1975), mit dem die Freiluftkinoreihe des Cinema-Arthouse dieses Jahr eröffnet wird.
Wie Hermann Thieken berichtet, einer der beiden Kinoinhaber, wurde das Kultmusical auf Anregung von jüngeren Mitarbeitern in den Open-Air-Spielplan aufgenommen. „Wir gehen davon aus, dass viele jüngere Leute den Film nicht kennen und dass ihnen die ‚besonderen Rituale‘ in den Vorstellungen nicht bekannt sind – deswegen sind wir sehr gespannt, was am Eröffnungsabend passiert“, so Thieken. Es wird nämlich dazu ein-geladen, in feinster „Rocky Horror“-Manier mitzufeiern.
Die „Rocky Horror Picture Show“ ist eine verrückte Persiflage auf Horror- und SciFi-Filme. Tim Curry singt und spielt die Hauptrolle des „Sweet Transvestite“ Frank N. Furter, der eine wilde Party auf einem Schloss feiert, bei dem er einen künstlichen Menschen ins Leben ruft. In diese Party platzen Brad und Janet, zwei Frischverheiratete, für die sich im Lauf der Nacht alles auf den Kopf stellt. Meat Loaf spielt die Nebenrolle des Rockers Eddie, der schließlich als Abendmahlzeit endet.
In dem mitreißenden Soundtrack (von dem Texter, Komponisten und Riff-Raff-Darsteller Richard O´Brien) wechseln sich pompöse Rocknummern und schmachtende Balladen ab – und aus dem „Time Warp“ ist sogar ein Partytanz geworden.
Zu dem Kult, der um den Film entstanden ist, gehört es, dass er im Kino mitgespielt wird: In der Szene mit dem „Time Warp“ tanzen die Zuschauer mit, bei der Hochzeit von Brad & Janet wird mit Reis geworfen, zu einem Gewitter wird mit Wasser(-Pistolen) gespritzt und es halten sich alle eine Zeitung gegen Nässe über den Kopf. In einer Nebelszene mit dem Rocker Eddie wird Mehl geworfen und bei dem Essen, bei dem er mit einem Bratenmesser zersägt wird, fliegen Toastbrotscheiben und die Zuschauer setzen sich Partyhütchen auf. Ganz wichtig sind auch Spielkarten: Sie werden geworfen, wenn Tim Curry im todtraurigen Schlusslied „I’m Going Home“ die Passage „Cards For Sorrow, Cards For Pain“ singt (Übersicht über die Film-Rituale bei Wikipedia).
In einem Kino in München wird der Film seit 40 Jahren, also seit der Deutschlandpremiere, jede Woche „mitgefeiert“.
„Wir hoffen , dass viele Zuschauer verkleidet kommen“, so Hermann Thieken.  
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