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Ausgabe vom So, 13.09.2015
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Nepal nach dem Beben

 Am Dach der Welt  kehrt jetzt die Normalität zurück

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Nicht nur die Mönche blicken in Nepal nach vorn.
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Über 8000 Meter ragt der Himalaya in die Höhe.
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Auch in den alten Königsstädten, wie hier Patan, sind momentan nur wenigeTouristen zu finden. Limberg-Fotos
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Nepal hat hunderte Gesichter – Mit einem Lächeln sind fast alle verbunden.
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Auch Nashörner lassen sich in Nepal beobachten.
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 Kathmandu (tl) – Es ist ruhig in Thamel. In jenem Stadtteil Kathmandus, der sonst von Touristen bevölkert wird, sind momentan fast nur Einheimische unterwegs. Nach den schweren Erdbeben im Frühjahr mit knapp 9000 Toten scheuen viele eine Reise nach Nepal. Dabei ist längst so etwas wie Normalität in das Land am Himalaya zurückgekehrt. 

Ein Affe klettert über die wirr verlegten Stromleitungen der Hauptstadt und schaut interessiert auf die in einer Seitenstraße verschwindende Touristengruppe aus England. Fast scheint es so, als wolle er sich fragen, wo all die anderen Europäer geblieben sind, die normalerweise hier unterwegs sind.

Auch an den nur wenige Kilometer entfernten Durbar Squares, den Plätzen mit den jahrhundertealten Palästen der Könige, von denen es im Kathmandutal gleich drei gibt, ist kaum ein Tourist zu sehen. Verschlafen wirken die unzähligen Souvenirshops. Manch ein Ladenbesitzer hat seit Tagen nichts mehr verkauft.

Tatsächlich sind die Spuren der Erdbeben hier sichtbar. Die Wände der Tempel und Häuser sind mit hölzernen Balken abgestützt. Aufgestapelte Ziegelsteine lassen auf eingestürzte Gebäude deuten und kleine Risse in einigen Mauern dürften ebenfalls eine Folge des bebenden Bodens sein. Doch wer ein Land in Trümmern erwartet, täuscht sich komplett. Wüsste man nicht aus den Medien, dass sich hier unlängst eine Katastrophe abgespielt hat, man würde nichts davon merken. Die wenigen Spuren könnten auch der Armut des Landes geschuldet sein.

Puskar Aryal, der als Touristenführer für den Reiseveranstalter Royal Mountain Travel arbeitet und beim letzten großen Beben mit einer Gruppe Touristen in einem Bus unterwegs war verrät: „Einerseits kann ich verstehen, dass viele Angst haben nach Nepal zu kommen, andererseits gibt es dafür keinen Grund. Hier ist alles wieder normal.“

Tatsächlich scheinen die Nepalesen zur Normalität übergegangen zu sein. Auf den Straßen herrscht das gewohnt wuselige Treiben. Auch an den heiligen Stätten, wie am bedeutenden Hindu-Tempel von Pashupatinath oder am buddhistischen Stupa von Bodnath ist der Alltag zurück. Das Land wirkt quick-lebendig und schaut nach vorn. Die Menschen denen man begegnet lächeln. Man fühlt sich gut aufgehoben und willkommen.

„Wir sind zur Normalität zurückgekehrt“, berichtet Devi Panta, Präsident der nepalesischen Journalist Association for Tourism. „Leider ist die internationale Presse noch nicht soweit, ein richtiges Bild von Nepal zu zeigen. Wir sollten nicht länger alles mit dem Erdbeben verbinden und stattdessen die Augen nach vorne richten.“

Abseits der Hauptstadt Kathmandu ist in vielen Gegenden kaum noch eine Folge des Bebens präsent. Zwar fällt auch hier zwischendurch der Strom aus, doch sei dies normal und nach dem Erdbeben höchstens etwas öfter als sonst, versichert man z. B. in der Neydo Monastery – einem buddhistischen Kloster oberhalb Kathmandus.

Auch die beliebten Trekkingrouten in den Bergen des Himalayas sind wieder begehbar. Rund um den Annapurna oder zum höchsten Berg der Welt, dem Mount Everest, kann wieder gewandert werden.

Als Tor zum Himalaya gilt Pokhara – die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie wurde vom Erdbeben fast gänzlich verschont. Dennoch bleiben auch hier die Touristen noch größtenteils aus.

Wann sich die Lage normalisiert, ist nach Angaben von Pamfa Dhamala, die ein Trekking- und Expeditionsunternehmen betreibt, schwer vorhersehbar: „Ich hoffe, dass alles schnell wieder wie früher wird, aber es kann auch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Touristen wieder kommen.“ Für die Einheimischen und die vielen Exiltibeter, die in Pokhara hauptsächlich vom Tourismus leben, stehen dann schwere Zeiten bevor.

Auch der südliche Teil Nepals, der vom Erdbeben fast gar nicht betroffen ist, dürfte touristisch gesehen noch eine Durststrecke vor sich haben. Dabei bietet sich hier ein Nepal, das jener Besucher, der nur an die schneebedeckten Achttausender denkt, gar nicht vor Augen hat und das einige Überraschungen bereithält. Frei lebende Panzernashörner, wilde Tiger und ein Artenreichtum im tropischen Dschungel, der seinesgleichen sucht. 

 Reiseinfos Nepal 

Anreise: Derzeit gibt es keine direkte Flugverbindung von Deutschland nach Nepal. Zahlreiche Airlines bieten aber Umsteigeverbindungen mit einem Zwischenstopp im Nahen Osten, der Türkei oder Südostasien. Zu empfehlen ist ein Flug mit Turkish Airlines über Istanbul nach Kathmandu.

Einreise und Sicherheit: Für die Einreise ist ein Visum erforderlich. Dieses kann am Flughafen in Kathmandu für 40 US-Dollar gekauft werden. Obwohl Nepal grundsätzlich als sicheres Reiseland gilt, bestehen für einige Teile des Landes Reisewarnungen. Diese sind tagesaktuell auf www.auswaertiges-amt.de zu finden.

Veranstalter: Nepal lässt sich wunderbar individuell, aber auch pauschal bereisen. Empfehlenswert ist der einheimische Anbieter „Royal Mountain Travel“ (http://royalmt.com.np). In Deutschland bieten u. a. „Entdeck die Welt“ (www.entdeck-die-welt.de) und „Erlebe Fernreisen (www.erlebe-fernreisen.de) verschiedene Arrangements nach Nepal an.


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